Inside Niche
Vision, Taste, Timing
2011 startet Niche Beauty mit einem kleinen, sorgfältig kuratierten Portfolio von Marken, die in Europa kaum erhältlich waren. Fünfzehn Jahre später umfasst das Sortiment über 400 der relevantesten Namen im Luxus-Beauty-Segment. Managing Director Anne Zimmermann blickt zurück auf prägende Entscheidungen, hinterfragt Trends – und gibt eine Zukunftsprognose ab.
Bevor Sie bei Niche Beauty an Bord waren: Gab es eine Marke, bei der Sie dachten – wow, das ist wirklich eine exzellente Wahl?
Vor Jahren habe ich Westman Atelier in New York entdeckt und war sofort hin und weg. Die Formulierungen haben eine neue Ära im Make-up Bereich eingeläutet – hochwertig, leistungsstark und anders als alles, was ich zuvor kannte. In Europa war die Marke damals nicht erhältlich. Als ich sie bei Niche Beauty gespottet habe, war klar: Entscheidung getroffen. Hier will ich arbeiten. Hier stimmten Perspektive, Geschmack und Ausrichtung.
Niche Beauty feiert sein 15-jähriges Jubiläum. Welche Entscheidung hat das Unternehmen besonders geprägt?
Der klare Fokus auf ein kuratiertes, exklusives Sortiment von Marken, die ihrer Zeit voraus sind. Im Klartext: exzellente Produkte, inspirierende Founder und ihre Geschichten sowie starkes Design. Der nächste Schritt war die Erweiterung über Skincare hinaus in den Fragrance-Bereich. So wurde Niche Beauty zu einer echten One-Stop-Destination. Ich habe mich immer als Prototyp-Kundin verstanden – als jemand, der sich eine einzige, verlässliche Adresse wünscht, wo in jeder Kategorie nur das Beste zu finden ist. Offensichtlich hat sich genau dieses Mindset durchgesetzt.
Im Beauty-Rückblick: Was aus dem Jahr 2011 wirkt heute fast unvorstellbar?
Der Grad an Raffinesse. Foundation war sichtbar – heute ist sie nahezu unsichtbar. Formeln sind intelligenter, cleaner und wissenschaftlich fundierter. Zudem wird Beauty ganzheitlicher gedacht: Longevity und Inside-out-Ansätze sind inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Diese Innovationskraft macht mich neugierig auf alles, was noch kommt.
Welchen Trend feiern Sie – und welchen dürfen wir getrost hinter uns lassen?
Ich bin bereit, den perfektionierten, KI-gefilterten Look hinter uns zu lassen. Diese künstliche, porenfreie Ästhetik wirkt oft unnatürlich. Weniger ist mehr. In Zeiten von KI wünsche ich mir ein Comeback von echter Haut und echter Persönlichkeit. Und zwar nicht nur im Real-Life, sondern vor allem auf Social Media.
Was ist überbewertet – und was unterschätzt?
Überbewertet? Hyaluronsäure in jeder erdenklichen Form – vor allem als Filler. Unterschätzt? Ganz klar Vitamin C. Wenn meine Haut müde wirkt, mache ich eine intensive Kur und sehe sofort frischer, wacher und strahlender aus. Vitamin C liefert. Punkt.
Welche Entwicklung wird Beauty in den nächsten zehn Jahren prägen?
Next-Generation Smart Skincare. Ausgeklügelte Wirkstoffe wie Exosome und Peptide, kombiniert mit intelligenten Delivery-Systemen und einem tieferen biologischen Verständnis. Produkte werden auf zellulärer Ebene wirken und messbare Ergebnisse liefern – nicht nur an der Oberfläche.
Ihre persönlichen Do’s und Don’ts?
Ich war zugegebenermaßen nicht immer zurückhaltend – zu viel invasive Hyaluronsäure, Solarium. Mein Rat: keine Extreme. Sonnenschutz, Feuchtigkeit, Zurückhaltung. Subtil gewinnt immer.
Ihre drei Forever-Favorites?
Die Glow Drops von Dr. Barbara Sturm für sofortige Leuchtkraft. The Cream von Augustinus Bader für eine regenerierte Haut dank Stammzellentechnologie. Und die Rose Candle von Diptyque: elegant, zeitlos, ikonisch.
Wenn Sie nur ein Produkt empfehlen dürften, das Niche Beautys Philosophie heute verkörpert?
Das ist leicht: Genetic Bliss von 27 87. Im Hamburger Büro wissen die Kollegen beim Erschnuppern, dass ich vor Ort bin (lacht). Spaß beiseite, die Komposition ist modern, understated, mit Insider-Appeal. Genau diese Form von souveräner Zurückhaltung lieben wir.



